Über das Zeichnen

Können Sie mit einem Stift ihren Namen schreiben? Ja? Dann können Sie auch Zeichnen!

 Meine Kurse sind darauf ausgelegt, die Fähigkeit des Zeichnens von Grund auf zu erlernen. Vorkenntnisse sind nicht nötig.

Es geht weniger um Fingerfertigkeiten oder Technik, sondern darum, die Welt um uns herum neu wahrzunehmen. Zeichnen erweitert den Horizont und bringt uns dazu, mehr zu sehen, genauer zu beobachten und aufmerksamer durchs Leben zu gehen. Und vor allem macht Zeichnen Spaß.

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Man muß besonders talentiert sein, um Zeichnen zu können, oder?

 Es gibt einige sehr hartnäckige Mythen in Sachen Kreativität, die man nur schwer aus den Köpfen der Menschen heraus bringt.

„Man muß schon sehr talentiert sein, um Zeichnen zu können“ ist der beliebteste.

Zeichnen hat nur bedingt mit Talent zu tun. Zwar schadet eine gewisse Veranlagung definitiv nicht, aber sie ist keine zwingende Voraussetzung. Genauso wenig wie sie besonders „talentiert“ sein mussten um Schreiben zu lernen.

Aber im Gegensatz zum Zeichnen wurde ihnen das Schreiben sorgfältig, mit einer ausgearbeiteten Methode beigebracht. Sie haben gelernt, wie man Buchstaben schreibt, Silben ausspricht und damit Wörter und Sätze formt. Wenn man sie stattdessen ohne Anleitung vor ein Buch gesetzt hätte mit der Aufforderung „Jetzt schreib und lies mal!“, hätten sie sicherlich sehr schnell frustriert aufgegeben. Trotzdem setzt man immer noch Schüler vor ein Stilleben mit der Aufforderung „Zeichne das mal!“ ohne ihnen zu erklären, wie man einen Stift hält, wie man räumliche Tiefe einfängt und Schraffiert. 

Im Mittelalter galt Schreiben als große Kunst, die nur wenigen vorbehalten war.

Wir alle wissen, daß sich diese Einstellung geändert hat.

Auch Zeichnen kann man lernen, wenn man gezeigt bekommt, wie und die Geduld hat, dran zu bleiben.

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„Kunst kann man nicht lernen“

Muß jede Zeichnung gleich Kunst sein? Und ist eine Zeichnung, die nicht „originell“ und „ausdrucksvoll“ ist, wertlos? Natürlich nicht! Bringt man Kindern das Schreiben bei, damit sie alle später Romanschriftsteller auf Nobelpreisniveau werden? Natürlich nicht!

Und trotzdem sitzt in den Köpfen der meisten Menschen die Erwartung, gleich Kunst produzieren zu müssen, wenn sie einen Stift in die Hand nehmen.

Wer schreibt, kann völlig unterschiedliche Dinge tun: er kann sich Notizen während einer Vorlesung machen, er kann eine Kurzgeschichte schreiben, Tagebuch führen, einen Bericht für das nächste Meeting verfassen, einen Aufsatz für die Schule schreiben oder an einem 1000-seitigen Roman arbeiten.

Eine Zeichnung kann ebenso viele unterschiedliche Bestimmungen haben.

Man kann eine schnelle Ideenskizze aufs Blatt Papier werfen, damit das Gegenüber versteht, was man meint; man kann ein kleines Stilleben zeichnen, eine Geschichte als Comic erzählen, eine technische Zeichnung von einem Motor erstellen, das Kleid entwerfen, daß man sich für den Abschlußball vorstellt, vor sich hinkritzeln wenn man telefoniert und dabei eine Lösung für ein Problem finden, oder man zeichnet ein 2 x 3 Meter großes Werk für die nächste Ausstellung.

Viele Menschen blockieren sich unnötigerweise selbst mit der übertriebenen Erwartung, etwas produzieren zu müssen, was man sofort ins Museum oder wenigstens an die Wohnzimmerwand hängen kann.

Zeichnen ist jedoch in erster Linie eine Fertigkeit, die viel Freude bereitet, die es einem ermöglicht, in eine eigene Welt abzutauchen und mit der man sich selbst mitteilen kann. Darum geht es. Nicht um „Kunst“.